LITERATUR

Bild: Buch Über Küchengeräte und andere Seelenwanderungen

Über Küchengeräte und andere Seelenwanderungen

13 Kurzgeschichten

LESEPROBE

In verschiedenen Systemen

Wir haben uns ja daran gewöhnt. Mit den Fenstern, Mäusen und ähnlichem auf unserem heimischen Computer kommen wir mittlerweile zurecht. Die Zeiten sind vorbei, in denen eine zufällig auf die Tastatur springende Katze sämtliche Daten ins elektronische Nirwana schicken konnte. Der Rechner ahnt von unserer Dummheit und beglückt und bei jeder möglichen Fehlbedienung mit Sätzen wie "Möchten sie wirklich..", und "sind sie sich sicher das....". Wenn es also heute noch eine Katze schaffen sollte, die Festplatte zu formatieren, dann Hut ab vor der Katze.
Das einzige, was daran nerven kann ist die Tatsache, dass man auch durch diesen "möchten sie wirklich..." Dschungel muss, wenn man sich nun absolut und in vollem geistigem Bewusstsein, sozusagen aus tiefster Seele sicher ist, eine bestimmte Datei tatsächlich löschen zu wollen. Hier kann man sich dann manchmal schon wie ein bemuttertes Kleinkind fühlen oder wie auf der Couch eines Psychoanalytikers.

Auch die alle paar Jahre notwendigen Systemwechsel, die angeblich die Sache schneller und leichter machen sollen - so sagt zumindest die Werbung und will uns beweisen, mit dem Kauf des letzten Systems, welches im Übrigen genauso beworben wurde, einen entscheidenden Fehler gemacht zu haben, bringen uns nicht mehr in die Nähe eines Nervenzusammenbruches oder dazu, sinnlose Gewalttaten in Erwägung zu ziehen.

Wenn wir aber die eigenen vier Wände verlassen, wird uns bald klar, das die Welt da draußen härter und die Betriebssysteme weniger umgänglich sind. Ein ganzes Heer von Bank-, Fahrschein-, Park- und anderen Automaten scheint den geheimen Kampf um das Prädikat der Benutzerunfreundlichkeit aufgenommen zu haben. Und Obskurerweise scheinen sie alle zu gewinnen. Jeder auf seine Weise. Die einen spuken mit Vorliebe keine Karten aus, andere fressen sie äußerst gerne. Eigentlich alle scheinen nur Münzen eines bestimmten Jahrganges oder Prägeortes zu akzeptieren. Und die Möglichkeit, den Restbetrag zurückzuerhalten ist so zufällig als sei sie abhängig von der Mondphase oder des Wasserstandes des Nils.
Wenn wir die Grundregeln beherzigen, mit denen wir die Angst vor unseren eigenen Computers ab- und fast freundschaftliche Beziehungen zu ihnen aufgebaut haben, geraten wir noch tiefer in den Strudel!
Wie steht es da in den einschlägigen Computer-Einführungs-Handbüchern: "Nähern sie sich dem Gerät und dem Betriebssystem auf spielerische Art." Haben sie sich schon mal auf spielerische Art dem Betriebssystem eines Bankautomaten zu nähern versucht? Lassen sie es!
Auch Parkautomaten verstehen keinen Spaß und kön-nen noch nicht einmal "Minesweeper". Die einzigen Automaten, denen man sich spielerisch nähern kann, sind Geldspielautomaten. Doch meist entfernt man sich nicht so spielerisch, sondern mit einem Faustschlag, leerem Geldbeutel und genervter Stimmung.
Die wenigen, die wirklich Spaß an den Automaten und ihren Systemen haben, mögen die Betreiber und Konstrukteure sein.

Und so mancher Kunde mag sich wohl nach der Bedienung eines solchen Automaten denken, dass es doch ein Fehler war, von den Bäumen herunterzukommen und aufrecht Gehen zu lernen…

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