Ellen JahnStart des Geschichtenpuzzles


 

An einem späten Sommerabend, einem Abend, wie es so viele gibt, trat Ingo aus seiner Stammkneipe "Zum roten Pilz". Wie gesagt, es war ein Abend wie jeder andere, wenn auch die Gespräche sich heute mehr um die bevorstehenden Ereignisse drehten als, wie gewöhnlich, um Fußball, Job oder das leidige Thema Frauen. Das heißt, ein bißchen ging es natürlich schon um eine Frau, genauer gesagt: um Ingos Braut. Heute hatte er seinen Hochzeitstermin bekanntgegeben, und es war ein entsetzter Aufschrei durch die Kneipe gegangen, teils von seinen Freunden, die vermuteten, daß es ab sofort keine Alkohol- und Lebenshilfe mehr um drei Uhr früh geben würde, teils von bekannten, die Johanna in seiner Gegenwart als champagnersüchtiges Frettchen bezeichnet hatten und teils von Frauen, die ihn zwar immer verschmäht hatten, die Beschränkung ihrer Auswahl aber als persönliche Beleidigung ansahen. Dabei hätte sich keiner von ihnen Sorgen machen müssen; Ingo war derart gutmütig, ja fast schon masochistisch veranlagt, daß er weder einen guten Freund nachts der Tür verwiesen hätte, noch irgend jemandem eine Beleidigung der Frau, die ihn für den Rest seines Lebens schikanieren sollte, übelgenommen hätte. Der einzige Grund, Johanna zu heiraten, war, daß sie ihn als erstes gefragt hatte. Und die Angst, sein ganzes langweiliges Leben alleine verbringen zu müssen, überwog sogar das Tief in ihm verborgene Wissen, daß er etwas besseres verdient hätte.

Ingo seufzte leise und schlug seinen Heimweg ein, durch die Gartenstraße und über den Kaiser-Wilhelm-Platz. Endlich nach Hause, in seine kalte Wohnung mit dem klammen Bettzeug und dem Schimmel an den Wänden, wegen dem er sich immer noch beschweren wollte.

Am Kaiser-Wilhelm-Platz angekommen, blieb er plötzlich stehen. Was er sah, veranlaßte ihn, so heftig zu stoppen, daß ihm alle seine dünnen langen Haare ins Gesicht fielen. Mit zitternden Fingern strich er sie wieder hinter sein Ohr. Was er erblickte, war unbegreiflich, faszinierend:
 

Mögliche Fortsetzungen:

1) Für Science-fiction Fans:
Das Denkmal des Kaisers, das mitten auf dem Platz stand, hatte sich in eigentümlicher Weise verändert.

2) Für Abenteurer:
Über den ganzen Platz hinweg zog sich ein enormer Riß durch das Pflaster, und doch wirkte der Rand, als sei kein Stein durch den Spalt gefallen.

3) Für Enthaltsame:
Dort tanzten zwölf nackte Mädchen einen Can-Can auf dem Bürgersteig. Kopfschüttelnd ging er weiter Richtung Gregor-Mendel-Weg.

4) Für Romantiker: 
Im Schein der einzigen Laterne stand eine Frau im langen Abendkleid. Ingo sah in ihr Gesicht und verlor sich schon beim ersten Blick.

5) Für Märchenfreunde:
Mitten auf dem Platz stand eine häßliche, schielende Fee mit 3 goldenen Haaren und glotzte ihm erwartungsvoll entgegen.(Insider kennen sie als "die Schneckenfee")